Messen im Außer-Haus-Markt stellen für viele Unternehmen der Hospitality Branche einen der wichtigsten Kommunikations- und Vertriebskanäle dar. Zurzeit sind aufgrund der Corona Pandemie jedoch physische Messen nicht möglich, sodass die Branche gezwungen ist, auf digitale Alternativen umzusteigen. Somit hat sich innerhalb kürzester Zeit ein Pioniergeist entwickelt. Die großen Lead Messen Internorga, Intergastra und Biofach fanden Anfang des Jahres 2021 online statt, um das Gastgewerbe dennoch über Produktneuheiten zu informieren, einen Austausch zu ermöglichen und ein Signal an die Branche zu setzten.

was lief gut, was weniger

Mittels Ausstellerpräsentationen in digitalen Räumen und virtuellen Bühnen lieferten die online Formate der drei Messen den Teilnehmern viel Input und vermittelten Wissen sowie Knowhow. Digitale Events bieten durchaus Vorteile und Mehrwerte, so ist die Fülle an Informationen länger abrufbar, verarbeitbar und nutzbar. Zudem ermöglichen online Veranstaltungen mehr Transparenz von Teilnehmern und gezielte Kontaktmöglichkeiten. Dennoch war die Resonanz der online Messen nicht mit der einer analogen Messe zu vergleichen. Vor allem Messen im Gastronomiebereich leben von der Verkostung, aber beispielsweise einen Siebträger Kaffee eines Baristas erlebbar zu machen, lässt sich digital nur schwer umsetzen. Außerdem wurde deutlich, dass vor der Coronakrise zu wenig Ressourcen in digitale Plattformen für online Events gesteckt wurden und die Digitalisierung noch nicht ganz in der Gastronomiebranche angekommen ist. Es traten vereinzelt technische Probleme auf und auch die Akzeptanz der Teilnehmer an digitalen Formaten war noch nicht derart vorhanden, sodass bei der Besucherzahl noch Luft nach oben bestand. Zudem bildeten Freunde und Bekannte einen Großteil der Besucher. Des Weiteren hat ein grundlegendes Element, die Interaktion zwischen Aussteller und Besucher, gefehlt.

Herausforderungen bei der Durchführung von Online Messen

Die Organisation einer digitalen Messe ist mit einem großen Aufwand verbunden und kann mit dem einer analogen Messe gleichgesetzt werden. Dabei ist es eine Herausforderung, die Plattform individuell an die Anforderungen der Messe anzupassen. Nicht außer Acht zu lassen sind die hohen Investitionskosten, die bei der Entwicklung einer digitalen Plattform hervorgerufen werden. Hinzu kommt, dass der Messeveranstalter anhand seiner Zielgruppe und deren Maturität abschätzen muss, welche Technologien den Teilnehmern zugemutet werden können. Nach der Veranstaltung sollte eine Evaluierung stattfinden, damit eine agile Entwicklung möglich ist. Allerdings besteht darin einerseits die Schwierigkeit, dass die Veränderung von den Teilnehmern erkannt und angenommen wird, und andererseits Messen, die nur einmal im Jahr stattfinden, zu verbessern. Außerdem stellt es online Events vor eine große Aufgabe, einen Austausch zu ermöglichen. Die Aussteller der drei digitalen Messen hatten oftmals das Gefühl, hinter einer Wand zu stehen, da sie die Besucher nicht direkt ansprechen konnten. Zudem erfordert es seitens der Teilnehmer Mut, der sich erst im Laufe der Zeit entwickeln wird, sich aktiv einzubringen. Bei der Chatfunktion funktioniert das schon recht gut, aber beispielsweise bei Videocalls sind die Teilnehmer noch deutlich zurückhaltender, was in der Gastronomiebranche noch eine Weile andauern wird, da man hier noch ganz am Anfang steht. Eine weitere Herausforderung ist es, den Teilnehmer dazu zu bewegen, sich nicht nur einen digitalen Vortrag anzuhören, sondern sich danach auch noch auf die Suche zu begeben und Neues zu erkunden. Zuletzt kann noch angeführt werden, dass es schwieriger ist, einen Kunden für ein digitales Event aus dem Alltagsgeschäft herauszubringen. Ist er hingegen persönlich auf einer Messe vertreten, stellt sich dieses Problem nicht.

Ausblick in die Zukunft - welche ToDos gibt es für die Messeverantwortlichen

Durch die online Events konnten Internorga, Intergastra und Biofach Präsenz zeigen und einen wichtigen Beitrag für die Hospitality Branche leisten. Sie haben die Aussteller und Besucher nach einer langen Pause wieder zusammengebracht und die unterbrochene Kommunikation auf dem Gesamtmarkt abgefedert. Auch wenn die Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden, konnten dadurch dennoch Erfahrungen gewonnen und Grundlagen gebildet werden, auf die langfristig und zukünftig aufgebaut werden kann. Schließlich kann ein Lernprozess nur dann entstehen, wenn man sich traut, Neues auszuprobieren und zu versuchen. Noch ist ungewiss, ob die Messen in Zukunft digital oder hybrid stattfinden oder doch analog durchgeführt werden können. Daher gilt es nun, die digitalen Formate anhand europäischer Lösungen weiterzuentwickeln und eine innovative sowie nachhaltige Plattform zu schaffen. Dabei sollte zunächst ein klares Zielbild vorhanden sein – wie soll ein digitales Event in den kommenden Jahren aussehen? Zudem sollte der Fokus auf den Teilnehmer gelegt und dessen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Mittels einfacher und verständlicher Bedienung sollte eine bessere Usability geschaffen werden und es den Besuchern möglich sein, sich zu informieren, auszutauschen, Produktneuheiten kennenzulernen, Kontakte zu pflegen bzw. neue Kontakte zu knüpfen und miteinander zu interagieren. Die Interaktion kann beispielsweise dadurch gefördert werden, indem eine Gruppenzugehörigkeit digital unterstützt wird und größere Veranstaltungen auf kleinere Gruppen heruntergebrochen werden.

Es ist auch wichtig, mit einem offenen Mindset an die Sache heranzugehen. Somit sollte versucht werden, analoge Messen nicht eins zu eins in die digitale Welt zu übertragen. Hingegen sollte nach neuen Ideen und Möglichkeiten Ausschau gehalten werden. Wie lange die Coronakrise die Gastronomiebranche noch beeinträchtigen wird, ist ungewiss, doch Eines ist sicher: Auch wenn sich die Messeverantwortlichen wünschen, zukünftig Menschen wieder in echt auf einer Präsensmesse zusammenzubringen, diese gemeinsam zu erleben und zusammen Verkostungen durchzuführen, sind die digitalen Ansätze nicht mehr wegzudenken und werden ab sofort ständiger Begleiter sein.